In den vergangenen Jahren wurde ein neues Konzept zur Stärkung der Hauptschule entwickelt, welches derzeit diskutiert und sukzessive umgesetzt wird. Um die Bayerische Hauptschule im mehrgliedrigen Schulsystem zu stärken und für die Zukunft fit zu machen, kann diese Schulart nun ihr schulisches Angebot erweitern und sich gemäß dem Bestreben des Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus zur Mittelschule qualifizieren.
Es war Anliegen der CSU-Ortsvorstandschaft Ergoldsbach, dieses aktuelle Thema aufzugreifen und eine mögliche Realisierung vor Ort umfassend zu erörtern. So war man erfreut, dass sich vergangene Woche zahlreiche Zuhörer, u.a. auch aus der JUKreisvorstandschaft und benachbarten Ortsverbänden im Hotel Gasthof Dallmaier einfanden. Der Ortsvorsitzende Jürgen Simmerl sowie die stellvertretende Ortsvorsitzende und Organisatorin des Abends Silvia Dollinger begrüßten als Referenten den ehemaligen Kultusstaatssekretär und jetzigen Vorsitzenden des Ausschusses für Hochschule, Forschung und Kultur im Bayerischen Landtag MdL Bernd Sibler.
Dollinger betonte eingangs, dass es sich bei der Mittelschule um die logische Fortentwicklung der Hauptschulinitiative handle – die bayerische Mittelschule soll bewährte Elemente dieser aufgreifen und mit einem erweiterten Bildungsangebot leistungsstarke aber auch förderbedürftigere Schülerinnen und Schüler gleichermaßen unterstützen. Wie der aktuellen bildungspolitischen Diskussion zu entnehmen ist, sind in diesem Zusammenhang vor Ort viele Details zu klären und die politische Diskussion um verschiedene Realisierungsmodelle wird lebhaft geführt — dabei besteht jedoch für die Beteiligten vor Ort große Mitgestaltungsmöglichkeit, weshalb äußerst begrüßt wurde, dass auch die Vertretung der Marktgemeinde sowie Schule anwesend waren. Der Referent Sibler betonte eingangs die aktuellen Probleme der Hauptschule, wie z.B. Imageproblem, Schülerschwund, demographische Entwicklung, aber auch das Übertrittsverhalten.
Insbesondere die demographischen Prozesse führen unausweichlich zu Konsequenzen für die künftigen Schülerzahlen. So lässt sich für das Schuljahr 2009/10 im Vergleich zum vorherigen Schuljahr 2008 in Niederbayern ein Schülerrückgang von 2,40% ausmachen, bis zum Schuljahr 2011/12 spricht man von minus 7,90% uns bis 2013/14 sogar von minus 14,50%. Der Vorsitzende des Ausschusses für Hochschule, Forschung und Kultur im Bayerischen Landtag MdL Bernd Sibler erläutert die Neuerungen bei der Mittelschule.Die Übertrittsquote lag im Regierungsbezirk nach der 4. Jahrgangsstufe bei 40,56% auf die Hauptschule, 33,79% aus das Gymnasium und 25,65% auf die Realschule. Im weiteren Verlauf des Vortrags stellte Sibler das Modell der Mittelschule vor, deren Ziel es zum einen ist, möglichst viele Hauptschulstandorte im ländlichen Raum zu erhalten, zum anderen bewährte Elemente der Hauptschule fortzuführen, wie z.B. Individualiserung, Ausbau von Ganztagsschulen oder Berufsorientierung. Sibler betonte dabei, dass die Umstrukturierung keinesfalls top-down verordnet würde, sondern den Entscheidungsträgern vor Ort hier größtmögliche Mitsprachemöglichkeit im Rahmen der bereits laufenden Dialogforen eingeräumt würde, so dass er auch auf deren Ablauf, Zielsetzung und Beteiligungsstrukturen einging.
Als Organisationsformen für die Mittelschule skizzierte der Referent die Optionen einer großen Hauptschule, eines Schulverbands oder eines Schulverbunds. Dabei stieß erwartungsgemäß insbesondere das Modell des Schulverbunds auf das Diskussionsinteresse der Zuhörerschaft. Beim Schulverbund handelt es sich um einen freiwilligen Zusammenschluss mehrerer Hauptschulen, wobei die Verbandsschulen eigenständig bleiben und die Sprengel auch landkreis- und regierungsbezirkübergreifend sein können. Im Anschluss folgte die Darstellung möglicher Realisierungsmodelle undOrganisationsstrukturen der Mittelschule. Der CSU-Ortsverband begrüßte es, dass sich Bernd Sibler im Anschluss an seinen Vortrag mehr als eine Stunde Zeit nahm, sich den Fragen und Diskussionsbeiträgen der Anwesenden zu stellen, welche sich insbesondere mit der konkreten Ausgestaltung vor Ort, schulpraktischen Fragestellungen zur Mittelschule sowie dem zeitlichen Ablaufplan und beschäftigten.
Die stellvertretende Ortsvorsitzende Silva Dollinger dankte Sibler für seine informativen und offenen Ausführungen und beendete die Diskussionsrunde dahingehend, dass es in unserer Verantwortung liegt, möglichst viele Hauptschulen im ländlichen Raum im Interesse unserer Kinder möglichst lange zu erhalten — die Weiterentwicklung zur Mittelschule kann hierzu eine Möglichkeit sein, dieMitsprachemöglichkeiten hierfür gilt es zu nutzen. (SD)
